Elektrothermografie (auch als Thermografie elektrischer Anlagen bezeichnet) ist ein berührungsloses und zerstörungsfreies Prüfverfahren, bei dem mithilfe von Infrarot-Wärmebildkameras die Oberflächentemperaturen von elektrischen Bauteilen, Anlagen und Komponenten im laufenden Betrieb visualisiert und analysiert werden

Da in elektrischen Anlagen der elektrische Stromfluss, Übergangswiderstände und thermische Verluste direkt mit der Erwärmung zusammenhängen, lassen sich Schwachstellen, Überlastungen und drohende Defekte lange vor einem sichtbaren Schadenseintritt oder Systemausfall erkennen. Die Elektrothermografie ist ein bildgebendes Verfahren und ein wesentlicher Teil einer vorbeugenden Wartung. Das Verfahren ist berührungslos und gibt Aufschluss über den thermischen IST-Zustand einer Anlage.

Funktionsweise

Jeder Körper, der eine Temperatur oberhalb des absoluten Nullpunkts von −273.15 ∘C aufweist, sendet elektromagnetische Strahlung im Infrarotbereich aus. Die Elektrothermografie nutzt Infrarot Wärmebildkameras, die diese Strahlung – typischerweise im Wellenlängenbereich bis zu 20 μm – erfassen und in ein sichtbares Wärmebild (Thermogramm) umwandeln.

Jeder Pixel eines solchen Bildes repräsentiert einen präzisen Messwert der Oberflächentemperatur. Dabei müssen zertifizierte Prüfer physikalische Einflussfaktoren wie den Emissionsgrad der jeweiligen Materialoberflächen, reflektierte Umgebungstemperaturen sowie die aktuelle Lastsituation der Anlage berücksichtigen. Eine entsprechende Ausbildung und Zertifizierung der thermografierenden Person ist dabei essenziell.

Zentrale Vorteile der Elektrothermografie

Die Methode bietet im Vergleich zu herkömmlichen Prüfverfahren gravierende wirtschaftliche und sicherheitstechnische Vorzüge:

  • Prüfung im laufenden Betrieb:

Die Messungen erfolgen unter realen Betriebsbedingungen, sodass keine kostenintensiven Abschaltungen oder Produktionsunterbrechungen notwendig sind.

  • Präventiver Brandschutz:

Hohe Übergangswiderstände bei Klemmen, Kontaktflächen, etc. erzeugen lokale Überhitzungen, die durch frühzeitige Erkennung thermische Ereignisse verhindern.

  • Objektive Datenbasis:

Sie liefert messbare Temperaturunterschiede (ΔT) als Entscheidungsgrundlage für eine zustandsorientierte Instandhaltung.

Typische Anwendungsbereiche

Die Elektrothermografie wird branchenübergreifend überall dort eingesetzt wo elektrische Anlagen nicht ausfallen dürfen, bzw. wo erhöhte brand- bzw. Explosionsgefahr besteht.

  • Energieversorgung und Verteilungsnetze
  • Infrastrukturanlagen
  • Bahn- und Verkehrsanlagen
  • Rechenzentren
  • Industrielle Produktion
  • Banken, Börsen

Typische Fehler, die durch die Elektrothermografie erkannt werden

  • Überlastete Kabel und Leitungen
  • Lockere Klemmstellen
  • Kontaktabbrand
  • Defekte Komponenten (Trafos, Spulen, Relaise, Schaltschütze, etc.)

Normative Grundlagen

ÖNORM DIN 54191 Zerstörungsfreie Prüfung - Thermografische Prüfung elektrischer Anlagen.Diese NORM regelt detailliert die Durchführung und Anforderung an die Infrarotkameras und die Qualifikation des Prüfpersonals.

Elektroschutzverordnung (ESV) fordert auf gesetzlicher Ebene die "Erfassung des thermischen Zustandes relevanter elektrischer Bauteile".

Hier ein Bespiel eines Thermogramms mit Maximaltemperatur 105,2°C. Ursache ist eine überlastete Sicherung, die mit Sicherheit in naher Zukunft auslösen wird,

TR Ing. Manfred Kernstock, Oktober 2026

Der Autor ist Eigentümer eines Ingenieurbüros für Elektrotechnik und hat in dieser Funktion die (elektro)technische Infrastruktur von rund eintausend Objekten saniert, etwa 700 davon in mehrgeschoßigem Wohnbau.